Mehrwegverpackung Gastronomie Pflicht für Lieferdienste

Mehrwegverpackung Gastronomie: 5 innovative Systeme

Die Verpackungsbranche boomt. In Deutschland werden pro Kopf jährlich ca. 226,5 kg Verpackungen verbraucht. Einwegplastik ist seit 2021 EU-weit verboten, egal ob Plastikgabel oder Styropor-Verpackung. Ab 2023 sind Gastronom:innen zudem dazu verpflichtet, Take-Away Essen und Getränke auch in Mehrwegverpackungen anzubieten. Das Ziel der Einführung vom Mehrweg-Systemen: die Verpackungsflut im To-Go Bereich, die besonders während der Coronapandemie noch einmal zugenommen hat, einzudämmen. Denn immer noch werden Einwegverpackungen mehrheitlich genutzt in der Gastronomie. Jedes Jahr entstehen rund 350.000 Tonnen Abfall für Einweggeschirr und Verpackungen im Außer-Haus-Markt. Davon bringen Systemgastronomien und Imbisse jeweils ein Drittel in den Verkehr.

Überblick zur Mehrwegpflicht ab 2023

Restaurants, Bistros, Cafés und Lieferdienste, die Take-Away-Essen oder To Go Getränke verkaufen, sind ab 2023 verpflichtet, ihre Produkte neben Einweg- auch in Mehrwegverpackungen anzubieten. Während große Fast-Food Ketten nicht um die Regelungen herumkommen, müssen kleinere Läden nicht unbedingt umrüsten. Von der Mehrwegverpackung Gastronomie Pflicht ausgenommen sind beispielsweise Imbisse, Kioske und Spätkauf-Läden, sowie Gastronomiebetriebe, die kleiner als 80 Quadratmeter sind und weniger als 5 Beschäftigte haben. Sie müssen jedoch ermöglichen, dass mitgebrachte Behältnisse abgefüllt werden können.

Eine Gastronomie Mehrwegverpackung hat viele Aufgaben: Sie muss unter anderem den Inhalt schützen, den Käufer informieren, für die Marke werben, Originalität garantieren, gute Handhabung bieten, ökologisch nachhaltig sein und den unterschiedlichen gesetzlichen Bestimmungen gerecht werden. 

Und das alles ohne große Kosten zu verursachen. Das kann für dich als Gastronom:in bei der Umsetzung eine zusätzliche Herausforderung sein. 

Eine Verpackung gilt als Mehrwegbehälter, wenn diese gespült und wiederverwendet werden kann. In der gesetzlichen Regulierung ist verankert, dass eine Mehrwegoption nicht teurer sein darf als das gleiche Produkt in einer Einwegverpackung. Es ist daher nicht ausreichend, Mehrwegverpackungen nur zum Verkauf anzubieten. Eigene Behältnisse dürfen zwar angenommen werden, jedoch muss zusätzlich eine Mehrwegoption gegeben sein, die für Kund:innen nicht teurer als eine Einwegverpackung ist. Um nicht auf den Kosten der Mehrwegverpackung sitzen zu bleiben, kannst du ein Pfand erheben. Hierbei ist es dir überlassen, ob du dein eigenes System etablieren oder ob du dich einem der bereits bestehenden Mehrweg-Systeme anschließen möchtest.

reCIRCLE: Mehrwegbehälter Gastronomie

reCIRCLE Deutschland ist nach eigener Aussage eines der größten Mehrweg-Systeme für Essen zum Mitnehmen im deutschsprachigen Raum, das mit einem Pfandsystem funktioniert. Angeboten werden neben Mehrwegbehältern auch Mehrwegbesteck. Die Produkte wurden zusammen mit Gastronom:innen entwickelt und den entsprechenden Anforderungen angepasst. In Stuttgart gibt es die Initiative bereits seit 2017. Über 200 Lokale in Deutschland, z.B. in Stuttgart, München, Regensburg, Frankfurt, Bremen, Hamburg und Berlin nehmen bereits teil; in der Schweiz sind es sogar über 1.400 teilnehmende Lokale.

Als interessierter Gastronomiebetrieb kann man reCIRCLE per Telefon oder E-Mail kontaktieren, woraufhin reCIRCLE den Betrieb mit einem Testkontingent mit verschiedenen Mehrwegbehältern oder Bechern ausstattet. So können Betriebe die Produkte zunächst kostenfrei ohne Pfand testen, um zu sehen, ob Kund:innen das Konzept überhaupt annehmen. Nach einer gewissen Zeit, je nachdem ob oder wie der Gast das Konzept angenommen hat, stellt reCIRCLE eine Rechnung über das Pfand aus, garantiert aber gleichzeitig dem Gastronomiebetrieb, jederzeit die Behälter zurückzuerstatten, wenn die Boxen an reCIRCLE zurückgeschickt werden.

Rebowl: Mehrweggeschirr to go Gastronomie

Das Münchner Unternehmen Recup fing 2016 mit nachhaltigen To-Go Bechern an und bietet nun seit Sommer 2020 deutschlandweit auch ein zirkuläres Pfandsystem für Mehrweg Schalen an – die Rebowls. Gastronom:innen zahlen eine planbare monatliche Systemgebühr und leihen die Mehrwegschalen gegen 5€ Pfand lediglich aus. Anders als bei den anderen Anbieter:innen, kann der Gast ohne sich vorher über eine App registrieren zu müssen, das Essen bei einem Rebowl Partnerbetrieb bestellen und 5€ Pfand direkt im Restaurant hinterlassen.

Bei der Rückgabe wird das Pfand vom entsprechenden Gastronomiebetrieb wieder ausgezahlt. Eine Rückgabefrist gibt es bei Rebowl nicht. Eine App bietet das Unternehmen auch an. Hier können Gäste auf einer interaktiven Karte mit allen Partner:innen und Rückgabestellen zugreifen. Die Schalen können bis zu 500 mal genutzt werden, bevor sie ausgetauscht und vollständig recycelt werden.

Vytal: Mehrweg-System mit App

Auch Vytal, ein Kölner Start-Up, welches im Juni 2019 gegründet wurde, bietet Mehrwegbehälter für die Gastronomie an. Über eine App müssen sich die Nutzer:innen einmalig registrieren, um das Essen bei den teilnehmenden Partner:innen in einer Mehrweg Schale mitzunehmen. Durch das Scannen des QR Codes auf der Schale und in der App, wird der Behälter im System registriert. Wie auch bei Rebowl, können die Schalen bei deutschlandweit bei Partner:innen zurückgebracht werden. Bei der Rückgabe scannt man den QR-Code auf der Schale. Solange die Schalen binnen 14 Tagen zurückgegeben werden, fallen keine Kosten an. Wird die Rückgabe versäumt, fällt eine Kaufgebühr von 10€ an.

Die Gebühr wird automatisch über die Vytal-App abgebucht. Um die Schale weiterhin im Kreislauf beizubehalten, kann diese trotz verspäteter und bezahlter Rückgabe bei teilnehmenden Partner:innen zurückgebracht werden. Für Gastronom:innen fällt keine Verantwortung für die Einhaltung der Rückgabezeit an, denn diese wird beim Scannen des QR Codes auf der Schale, über die App getrackt. Bei der Rücknahme des Mehrweggeschirrs sind auch bei Vytal einzelne Gastronom:innen dafür verantwortlich die Schalen gründlich zu reinigen, um diese wieder im Mehrweg-System nutzen zu können. Vytal bietet mehrere verschiedene Modelle von Take Away Verpackungen an, z.B. Salatschalen und Sushi-Behälter.

Relevo: Mehrweg-Behälter per App in München & Berlin

Ein weiteres Unternehmen, welches Einweg Take Away Verpackungen den Kampf angesagt hat, heißt Relevo. Auch hier können Restaurants Speisen im Relevo Mehrweggeschirr an Kund:innen raus geben. Fixkosten fallen dabei nicht an, denn die Abrechnung bei Relevo erfolgt nach dem Pay-Per-Use Prinzip. Das Leihsystem funktioniert ähnlich wie bei Vytal. Der Gast meldet sich kostenfrei über die Relevo-App an und nach Erhalt der Bestellung muss der QR-Code eigenständig auf der Schale gescannt werden.

Für die Rückgabe muss von den Gastronom:innen eine Rückgabestation eingerichtet werden. Der Gast gibt dort seine benutzte Schale ab und scannt den QR-Code auf dem Rückgabeschild. Auch bei Relevo muss darauf geachtet werden, dass die Rückgabefrist von 14 Tagen eingehalten wird. Bei verspäteter Rückgabe der benutzten Schale, fällt ebenfalls eine Kaufgebühr von 10 € für den Gast an. Auch hier wird über die Relevo-App die Rückgabezeit des Gastes getrackt. Mit einer Lebensdauer von ca. 1,000 Benutzungen, laut eigenen Angaben, bietet Relevo die längste Nutzung der Schalen an.

Tiffin Loop: Pfandsystem Gastronomie mit Edelstahl-Box

Tiffin Loop ist ein Berliner Start-Up, dass es sich zum Ziel gemacht hat, Take-Away-Verpackungen zu reduzieren. Dafür hat das Team von Tiffin Loop ein Pfandsystem entwickelt, mit dessen Hilfe ein Gast ganz ohne Plastikmüll Gerichte von Restaurants mitnehmen kann.  Das Prinzip ist einfach: Bei der Bestellung im Restaurant hinterlegt man 15 Euro Pfand und erhält dafür im Gegenzug seine Mahlzeit in der sogenannten Tiffin-Box aus Edelstahl.

Die Box kann jederzeit bei einem der teilnehmenden Gastronomiebetriebe zurückgegeben werden, die das Pfand zurückzahlen. Die Behälter gehen nach einer gründlichen Reinigung erneut ins System. Gastronomiebetriebe werden durch einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 19,95 Euro zu Partner:innen von Tiffin Loop. Restaurants in Berlin, Hamburg und Köln haben im Frühjahr 2021 mit dem System gestartet – und testen nun, wie die Edelstahl-Box angenommen wird. Interessierte können die Idee unterstützen, bzw. sich als „Botschafter:in“ registrieren lassen und beispielsweise bei dem Lieblingsrestaurant dafür werben.

Fazit

Da die Mehrwegpflicht bald gilt, ist es für Gastronom:innen sinnvoll, sich bereits jetzt aktiv damit zu befassen. In diesem Beitrag haben wir zahlreiche Mehrweg-Verpackungen vorgestellt. Bei der Wahl der richtigen Mehrwegverpackung für deinen Betrieb ist es wichtig zu überlegen, welche Option für deine Kund:innen am sinnvollsten erscheint. Um die Bestellungen beispielsweise in den Vytal oder Relevo Mehrwegbehältern zu servieren, muss berücksichtigt werden, dass der Gast dazu eine App herunterladen und sich bereits vor der ersten Bestellung registrieren muss.

Ebenfalls muss bei diesen Mehrwegoptionen davon ausgegangen werden, dass sich der Gast schon vorab informiert hat, wo und wie die Mehrwegboxen erhältlich sind. Das Pfandsystem wie z. B. bei Rebowl hingegen ist schneller und für jeden zugänglich. Allerdings muss der Gast bereit sein, 5€ Pfandgebühren zu hinterlegen, die er bei der Rückgabe der Rebowl zurückbekommt. Die Integration und Etablierung des Mehrweg-Systems in deinem Betrieb kann etwas Vorbereitung benötigen, je früher du eingerichtet bist, desto geschmeidiger ist der Übergang.

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